Reibung, die zum Fortschritt führt – Reinhard Auer wird 70

(uc). Handballer, Rebell, Vereinspatriot – Reinhard Auer ist in Butzbach bekannt und geschätzt. Er und sein Turn- und Sportverein von 1846 – das ist eine innige Liebe mit vielen Höhen und wenigen Tiefen. Langweilig war es nie mit dem gelernten Bankkaufmann und aktuellen Schatzmeister, der dem hiesigen Sportclub seit Jahrzehnten ehrenamtlich zu Diensten steht, aber auch schon mal reaktionär in den Siebzigern einen Konkurrenzverein in Butzbach mitbegründet hat. Seine rationelle, kompetente und verantwortungsbewusste Arbeitsweise beeindruckt bis in die Gegenwart. Am 17.September feierte er seinen 70. Geburtstag.

Seine Vita liest sich wie ein Drehbuch, das heute gar nicht mehr geschrieben würde. Auer ist einer der „Dauerbrenner“, die in den Sportvereinen immer seltener werden: langjähriger Spieler, Vorstandsmitglied, Teamplayer und Motor; einer, der im übertragenen Sinn auch mal „dahingeht, wo es weht tut“, einer, „der sich nicht alles gefallen lässt“ – bestechende Eigenschaften, die seinem Club stets zugutekommen. Mit elf Jahren trat Reinhard Auer 1960 dem TSV Butzbach bei, wechselte drei Jahre später von der Turnabteilung zum Handball, wo er nach der A-Jugend auf Anhieb in die erste Mannschaft kam. Er war einer der „Gelbhemden“, die später als Butzbacher Männermannschaft Anfang der 1970er Jahre zum Mythos wurden. Die Aufstiegsserie von der Bezirksliga bis in die Oberliga Hessen hat Reinhard Auer in seiner Paraderolle als „Indianer auf der Eins“ miterlebt. Er luchste dem Gegner oft den Ball ab und hielt in der Abwehr Schaden vom Butzbacher Tor fern – eine Kunst, die er später als Hüter der Vereinskasse und Mitgliederkartei im Vorstand perfektionierte. Regionalliga- und Bundesligazeit blieben ihm sportlich verwehrt.

Nach einem Kurztrip zum TSV Gambach war er 1976 zurück beim TSV Butzbach unzufrieden mit der Wertschätzung der zweiten Männermannschaft und legte sich prompt mit dem damaligen Vorstand an. Kurzerhand gründete er mit Gefolgsleuten und rebellischer Energie einen zweiten Butzbacher Handballclub, den er zehn Jahre als Spieler und Kassenwart unterstützte und der noch heute als HSV Butzbach/Degerfeld erfolgreich besteht. Auer wollte sich nie bedingungslos anpassen, suchte auch nach Reibung, die in seinem Verständnis zum Fortschritt führt. Er ist aus dieser Entwicklung ein Funktionär und Mensch geworden, dem man „nichts vormachen kann“, ein echter Typ und ein Vorbild, der für den TSV Butzbach Gold wert ist.

Im Jahre 1997 kehrte Auer nach seiner Sturm- und Drangzeit zurück und wurde auf Anhieb Schatzmeister seines TSV Butzbach – der Beginn einer großartigen Vorstandstätigkeit. Mit seiner Arbeit ist er bis heute immer auf dem neuesten Stand. Seine Kompetenz im Finanzsektor und Steuerrecht sind beachtlich. Große Mitgliederbewegungen beschäftigen ihn genauso, wie Sitzungen und Veranstaltungen einzelner Abteilungen. Es waren letztlich auch seine ehrgeizigen Pläne, die so manches TSV-Großprojekt in der Vergangenheit vorangetrieben haben, sei es der Umzug des Vereinsarchivs aus der Wendelinskapelle in das Mehlwiegerhäuschen oder die Sanierung der Gebäude am vereinseigenen Sportplatz Ostbahnhof oder auch die Digitalisierung der Mitgliederkartei. Ehrungen waren die logische Folge. Unter anderem erhielt Auer neben allen vereinsinternen Auszeichnungen auch die LSB-Verdienstnadel, den Landesehrenbrief des Hessischen Ministerpräsidenten und die Bronzene Ehrennadel des Landessportbundes.

In seiner Freizeit war Reinhard Auer ein mehr als passabler Tennisspieler, schlug in Gambach mit seinem Bruder Hansi so manchen Volley über das Netz. Als Mitglied der „Don Kanaken“ wirkte er viele Faschingskampagnen lang beim Wintervergnügen des VFR Butzbach auf der Bühne mit. „Er ist für uns unverzichtbar, weil er hilfsbereit und kooperativ ist und die Dinge offen anspricht“, weiß auch Michael Rüspeler als aktueller TSV-Präsident über die Qualitäten des Geburtstagkindes Bescheid. Zum Ehrentag gratulieren neben seiner Familie auch eine Abordnung des Vorstandes des TSV Butzbach. Die Butzbacher Zeitung schließt sich mit den besten Wünschen an. 

Dr. Thomas Buch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.