Handballbegeisterung hält seit nun 100 Jahren an

(uc). Was haben Bernhard Kempa und die Handball-Abteilung des TSV Butzbach gemeinsam? Zumindest die Zeitspanne von 100 Jahren, die seit ihrer jeweiligen Geburtsstunde vergangen sind. Während der Pionier und Erfinder des berühmten Trickwurfes Ende 1920 in Oberschlesien geboren wurde, waren es handballbegeisterte Turner, die im Juli 1921 in Butzbach ihre eigene Abteilung aus der Taufe hoben – und sie schufen mit der damals neuen Mischung aus Torball, Fußballfeld und Hockeyschusskreis ein Meilenstein im heimischen Sportangebot.



Die Schülermannschaft des TSV Butzbach aus dem Jahr 1924, vorne v.l.: Robert Kraft, Alfred Heyd, Ludwig Größmann. In der Mitte v.l.: Kurt Adler, Heini Fisch, Loth. Maletzke. Hinten v.l.: Bernd Kohr, E. Müller, Rud. Maletzke, W. Müller, H. Steinhäuser.

Der Berliner Turnrat Max Heiser hatte vier Jahre zuvor am 29. Oktober 1917 beim Treffen des Frauenturnens in Berlin zwei von drei alternative Spielideen von der Tagesordnung gestrichen. Übrig blieb Handball als „nettes Bewegungsspiel von untergeordneter Bedeutung“. Es war anfangs für Frauen konzipiert, weil Umsicht und Schnelligkeit, statt roher Gewalt auf dem Spielfeld entscheiden sollten. Schnell fand aber auch die Männerwelt Gefallen daran und die Erfolgsgeschichte einer neuen Sportart war vorprogrammiert.  Zwei Schutzpolizisten brachten den Trend in der Folge von einer Preußischen Fortbildung für Leibeserziehung mit in die Wetterau und inspirierten den Turnverein Butzbach, eine Handball-Abteilung zugründen. Über die Jahre bis hin zum zweiten Weltkrieg spielten die TSV-Handballer eine bedeutende Rolle in der heimischen Region mit vielen Gaumeisterschaften. In den 1950er Jahren formierte sich nach der Kriegsdepression schnell eine blühende Abteilung, die sich in den 1960er Jahren in die Spitzengruppe des Bezirkes mauserte, um dann nach einer Aufstiegsserie zwei Jahre in der Bundesliga zu spielen. Der kollektive Austritt einer Mannschaft mit Bildung des HSV Degerfeld stellt ebenso ein Eckpfeiler der weiteren Abteilungsgeschichte dar, wie Gründungen der HSG Kirch/-Pohl-Göns/Butzbach im Jahre 2002 und der seit 2020 bestehenden HSG Butzbach. Mit dieser neuen Kombination schlägt der Handball in Butzbach in seinem Jubiläumsjahr ein vielversprechendes Kapitel auf. Leider ist es den Sportler/Innen der HSG seit dem Mai letzten Jahres nicht möglich, den neuen Butzbacher Handballclub auf dem Parkett zu vertreten.

Die aktuellen Hürden für den Breitensport sind hinlänglich bekannt, denn es gibt zwischen der sportlichen Gründerzeit und dem diesjährigen Jubiläumsfest eine weitere Parallele: Eine Virus-Pandemie. War es in den Jahren 1918 – 1920 eine Form der Influenza, die Welt weit grassierte und Millionen Todesopfer forderte, muss der Jubelverein TSV Butzbach heuer das Coronavirus mit all seinen Herausforderungen und Folgen bewältigen. Pläne für Festlichkeiten und Großveranstaltungen sind bereits seit längerem durchkreuzt. Vorhaben für den Sommer und Herbst beinhalten viele Konjunktive. Keine leichte Aufgabe, für alle die den Sport lieben und würdigen wollen. In diesem Jahr kann es mit Blick auf Impferfolge und Mutanten nur kurzfristige und spontane Konzepte für Feierlichkeiten geben. Die Verantwortlichen werden sich alle Mühe geben, Corona konforme Lösungen für den Jubiläumssommer und Herbst zu finden.

Thomas Buch

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